Saturday, February 19, 2005

Saunagespräche II: Heimatgedanken

Gefragt nach deutsch-englischen Unterschieden stellte der für den deutschen Bereich zuständige Mitarbeiter der hiesigen Unibibliothek fest, daß die Deutschen im Gegensatz zu den Engländern ein spezielles Gefühl für Heimat, genauer Heimatstadt haben. Flüchtige Gespräche bestätigen die Vermutung, daß englische Städte als Wohnort leicht auswechselbar sind. Ferner konnte ich bisher nur wenige Stadtkulturen, samt lokaler Bräuche, Feste etc. ausmachen. Einzig London ragt als Behemot und Charakterstadt heraus. Manchester scheint auch noch ein interessanter Kandidat. Abesehen davon werden Städte hier recht emotionslos beurteilt. Die vom Idler unterhaltene schwarze Liste der englischen "Crap Towns" kürt Luton als unangefochtene "crappiest town" Englands. Siehe hierzu auch den Sunday Telegraph, Encyclopedia.com oder auch den Economist (wohl nur mit abo). Was mich persönlich aufatmen lässt, denn Coventry hat auch keinen besonders guten Ruf. Nichtsdestotrotz haben die Verantwortlichen diesen alarmierenden Zustand erkannt. Um die Affinität der Bürger zum eigenen Wohnort zu steigern hat Luton nun die Marketing Initative "Luton first" ins Leben gerufen. Das Luton eigentlich eine romantische Dichterstadt ist, die sich hinter Paris nicht zu verstecken braucht, beweist unwiderlegbar beispielsweise der Valentinsbeitrag "Love in Luton".

Prinzip der reinen Laune

Ich nähere mich dem Ende des Buches - und es wird leichter. Seit etwa hundert Seiten (oder mehr) meditiere ich nun schon über Verwöhnung, Entlastung und die unerträgliche Leichtigkeit des Seins im allgemeinen (Sph. III, Kap3.). Und ich denke, da sind wir an einer guten Sache dran. Damit wir wissen, wovon wir reden, zunächst die "Mängelwesenfiktion" am Beispiel Gehlen.
Dieser bemängelt die Unangepasstheit und Mittellosigkeit des Menschen. Anders gewendet ist diese Unangepasstheit allerdings ein Luxus, der einem Verwöhnungs- und Brutkasteneffekt entspringt. Eine weiteres wichtiges Merkmal des Menschens ist seine "Weltoffenheit" (Kurzes Googeln zeigt mir, dass ich das alles schon seit der 10. Klasse hätte wissen sollen...). Diese führt zu einer konstanten Reizüberflutung und so zu einer Erschwerung der Existenz. Diesem kann nur durch den Vorgang der "Entlastung" entgegengewirkt werden, z.B. filternde Wahrnehmungsmuster, Ritualisierung von Handlungen - sprich Gewohnheiten, bei denen man sich das Denken sparen darf. Diesen scheinbaren Notstand sieht man wohl klarer als eine "Vermögensverwaltung" des exzessiven menschlichen Reichtums an Wahrnehmung und Handlungsöglichkeiten.
So schließen wir mit der Diagnose des Menschen als Luxuswesen. Dazu gibt es noch mehr, aber das ein anderes Mal.

Friday, February 18, 2005

Ende des Akademikerolymps?

Mit den Griechen ging es los: Die Wissenschaft emanzipierte sich von ihrer Gesellschaft und hob sich empor auf den abgeschiedenen Olymp des Geistes. Man kann wohl behaupten, daß sich diese Tradition bis in die Moderne herübergerettet hat. Den bis vor kurzem scheint es mir stand der Professor noch über jeder lästigen Rechenschaftspflicht, durfte den (vielzitierten) Elfenbeinturm ungeschoren bewohnen und sich als wissenschaftliches Orakel anbieten. Leider ist die Forschung nicht mehr das, was sie war. Denn auch hier hängt jetzt die Antwort vor allem darauf an, an wen man die Frage gerichtet hat, bzw. wer für die Antwort zahlt. Konsequenterweise muss die Wissenschaft kommunikativer werden, auf der anderen Seite kann sich die Gesellschaft die Bequemlichkeit nicht mehr leisten, das denken ganz anderen zu überlassen.
Den aktuellen Trend zu mehr Wissenschaftsberichterstattung in Zeitungen und Fernsehen interpretiere ich in diesem Sinne. Und ich bin ja auch noch am liebäugeln mit dem Wissenschaftsjournalismus.

King of Geeks

Alle Jahre wieder gönne ich mir den Economist. Und dieses Mal offenbart er mir das Ende konventioneller PR Konzepte: denn die Blogs übernehmen. Dass die Presse als solche sich schon eifrig der Blogs bedient war mir bereits bekannt. Allerdings hat sich die Geschäftswelt ja eher sehr schwer getan mit der grassierenden Blogomanie (blogbedingte Kündigungen etc.). Microsoft dreht nun den Spiess um und bezahlt seinen hauseigenen Blogger ("technical evangelist").

Friday, February 11, 2005

Weird Night

Tatsächlich einer der seltsameren Nächte. Man geht raus, um ein paar Bier zu trinken und später vielleicht in die "Soul nation" einzutauchen, weil man einfach mal aschalten will. Und wo immer man sich aufhält, beim sit in, beim billiard, in der hip-hop arena, beim fast-food stand, auf dem Heimweg, vor der Haustüre: Überall tauchen aus dem Nichts Leute auf, die man aus völlig verschiedenen Ecken auf zufällige Weise kennengelernt hat. Und es stellt sich heraus, das sich alle untereinander irgendwoher kennen. In gewissen Kreisen wird sowas wohl "soziale Perkolationsschwelle" oder so ähnlich genannt. Mit Sicherheit eine denkwürdige Nacht.

Sunday, February 06, 2005

"Vote awesome!"

Die "Uni" hat gewählt dieser Tage. Einen Präsidenten und sein Kabinett von "executive officers", alles "graduating" Studenten, die nun im nächsten Jahr als Vollzeitangestellte der Universität studentisch Politik betreiben dürfen. Ich habe auch gewählt, und zwar den, der mir im nächsten Jahr bessere Fritten in der campuseigenen Fastfoodhölle "Battered" versprochen hat. Mit dieser Ansage konnte er bei mir unter anderem den Kandidaten Payne ("No Payne no gain!"), der sich adretterweise mit einigen peitschenbewehrten Dominas für seine Wahlplakate ablichten ließ, klar ausstechen. Und die Liz habe ich gewählt, weil sie so nett mit mir geplauscht hat auf dem Tocil Football Turnier (In der Vorrunde ausgeschieden.). Einer ihrer Konkurrenten war Chris, der als "Your knight in a shining armor!" komplett mit Plastikschwert und -schild über den Campus stolzierte.

Ohne Fazit.