Tuesday, October 19, 2004

Die Vernetzungsfalle und die Rehabilitation der Laberbacke

Die Vernetzungsfalle

Vor einem Monat verwies ich auf ein Buch über Netzwerktheorie von Herrn Barabási. In der Tat liegt es durch aus im Trend sich mit der zwischenmenschlichen Vernetzung in sozialen Milieus zu beschäftigen. Nun aber werden wir gewarnt, uns an Dingen wie den „six degrees of freedom“ zu berauschen. Man mag nicht überrascht sein, wenn Herr Sloterkijk mal wieder seine Finger im Spiel hat =). Die Vorstellung von der Vernetztheit verschiedener punktförmiger, ausdehnungslosen Punkte vernachlässige drastisch den eigenräumigen Charakter, das „schaumige“ am menschlichen Miteinander. Man möge es sich eher als ein Leben in einer "verbundenen Isolation" oder auch "Ko-Isolation" denken. (p.257)

Noch ein Wort zur Aufrechterhaltung dieses „Eigenraumes“:

Die Rehabilitation der Laberbacke

Die Einrichtung eines solchen Eigenraumes ist ein kreativer Prozess. Und dem Reden mag dabei eine Raum schaffende Qualität zukommen. Wir sprechen dabei weniger von einer pragmatisch zweckgebundenen Kommunikation, als vielmehr von einem kreativen, frivolen Phantasieren oder „drauflos Spinnen“. Der tägliche small talk lässt sich als ein „konstitutives An-der-Realität-Vorbei-Reden“ (Sl. S.259) deuten. Um nun noch die Kurve zum Titel zu kriegen: Es ist bekannt, dass engagierte Vielredner, auch wenn es dem Gesagten an Substanz mangeln mag, häufig als gute Gesellschafter gelten. Im Lichte obiger Gedanken wäre dies also darauf zurückzuführen, dass mit jenen „Sprechblasen“ gleichsam soziale „Mini-Räume“ aufgespannt werden, in denen man es sich gerne bequem macht.

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